Kanada
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Utopia Mountain zum Jahrestag in Kanada

Es war wieder Sonntag und somit Wandertag, diesmal sollte es auf den Utopia Mountain gehen. Ein gar unbezwingbarer Berg, eine Utopie, dachte ich mir noch vor zwei Monaten als ich ihn gegenüberliegend von dem populären Sulphur Skyline Trail sah.

Utopia Mountain (2602m), 1400m Elevation Gain, Miette Range – Alberta, 05.08.2018

Wir Leben um uns zu verwirklichen, wir möchten unmögliches möglich machen, eine Utopie in Realität schaffen, eine lebenswerte Gesellschaft weltweit. Was ist besser als in diesem Sinne einen Berg zu besteigen? Utopia Mountain, markiert meinen einjährigen Auffenthalt in Kanada.

Utopia Mountain, Alberta, Kanada

Utopia Mountain aus der Sicht des Sulphur Skyline Trails am 11. Juni 2018

Mit dem Versuch früh zu starten trafen wir uns doch erst gegen 10 an der Tanke, für die drei K’s (Kaffee, Klo und nein nicht Kippe sondern Kraftstoff) und fuhren los in Richtung Norden zu unserem Startpunkt den Miette Hot Springs. Die vierte Woche in Folge hatten wir Sonnenschein und die Vorhersage auf bestes Wetter und Sicht. Nach 50 Minuten Fahrt angekommen, fanden wir keinen Parkplatz zwischen den Mietwagen und Campern der Schwefelquellenbad-Besucher. Geparkt an der Straße, füllten wir unsere Wasservorräte auf und starteten in den Trail, welcher zu Beginn nocheinmal zu den drei natürlichen Schwefelquellen führte. Wir ließen uns von dem Hobbypriester, der gerade seinen Hund gefährlich nah an das 50 Grad warme Wasser hielt, nicht beschwätzen und zogen schnell weiter. Ich hatte zwar die Vorwarnungen ernst genommen, dass man den Trampelpfad und Trail leicht verliert, dennoch mich von der Idee nicht abbringen lassen. Keinen Kilometer nach den Quellen standen wir mitten im tiefen Busch und schlugen uns den Weg durch das Geäst hin zu einer ominösen Flussüberquerung, welche nicht zu finden war. Wir entschieden uns die Suche im Wald nach dem Trail aufzugeben und den Flusslauf weiter hinauf zu gehen. Und so fanden wir auch den Trail wieder, welcher genau da entlang führte. Voller Energie und Spieltrieb, löste Margotte die flutung eines trockenen Seitenarmes aus, indem sie den natürlichen Damm brach. Wasser frei! Ich rannte und rettete einen ertrunkenen Schmetterling. Eigentlich sollten wir uns lieber die Kraft sparen aber wir waren im Rausch wie kleine Kinder.
Kurz nach der unwiederbringlichen Teufelstat fanden wir auch die ominösen Brücke, überquerten den mageren Bach und fanden einen steilen Aufstieg entlang eines Erdrutsches. Es dauerte nicht lang und wir erreichten die Baumgrenze, ziemlich geschafft und reif für eine letze Rast im Schatten des Waldes.

Nun verabschiedeten sich wieder jegliche Hinweise eines Trails, wir sahen nur die Spitze und so sollte es auch weiterhin bleiben, was die Sache auch schön zu einem Abenteuer macht. Gestärkt zogen wir weiter und kletterten eine steile Wand hinauf zum ersten Grat. Es war steil genug um zu klettern jedoch konnte man nicht tief fallen. Auf dem Grat bekamen wir einen neuen Eindruck was noch vor uns lag und einen Wundervollen Ausblick auf die umliegenden Berge. Auf dem Sulphur Skyline Trail gegenüberliegend auf gleicher Höhe, sahen wir annähernd 40 Touristen auf der Bergkuppe, dahingegen trafen wir den ganzen Tag keine Menschenseele auf unserem Trip.
Wir liefen entlang des Kamms hinauf bis wir den Beginn eines riesigen steilen Geröllfeldes erreichten, an dem wir auch einen Steinturm fanden.

Entspannen am Fels

Der Aufstieg in dem Geröllfeld war das gefährlichste Stück der ganzen Tour, ständig rutschten Brocken unter den Füßen davon und vereinzelt rollten sie weiter bis zum Boden. Wir konnten uns nur parallel fortbewegen, um uns gegenseitig nicht zu verletzen. Nach dem haarstreubenden Aufstieg erreichten wir einen weiteren Kamm, den wir jedoch überqueren und auf der anderen Seite wieder hinabsteigen mussten, da es zu gefährlich war auf ihm weiterzugehen. Vor uns lag eine riesige Erosionsrinne gefüllt mit Kies auf der wir einen Pfad fanden. Nachdem wir heil den Kamm hinabgestiegen hatten, begann nun der härteste Part im Kies. Die nachgebenden kleinen Steine zerrten an unseren Kräften, für eine Schrittlänge benötige man drei Schritte. Der Versuch entlang der Steinwände zu gehen, führte uns nur in immer tiefer sinkendes und loses Geröll. Nur die Serpentienen ermoglichten einigermaßen einen rutschfreies weiterkommen. Nach vielen zehrenden Minuten erreichten wir ein kleines Plateau am Fuß der Bergspitze.

Von hier aus war der Gipfel klar zu erkennen. Nur noch einmal einen steilen Aufstieg meistern, dann waren wir schon am Grat der hinauf zum Peak des Utopia Mountain führte. Die Fersen brannten doch die Aussicht war wieder unbeschreiblich, links vom Kamm die Steilwand bis in das Tal, mit Einsicht in verschiedenste Millionen Jahre alte Gesteinsschichten. Rechts von uns der Blick nach Jasper und seinen Berggipfeln. Das letzte Stück war eher mental eine Herausforderung als physisch. Nach kurzer Zeit entlang des Grades erreichten wir die erste der zwei Spitzen des Berges um endlich unsere langersehnte Lunchtime zu haben. Brot, Käse und Bier, lustige Geschichten und einen unrealen Ausblick gönnten wir uns für die folgende Stunde auf dem Gipfel. Wir fanden mehrere geodätische Punkte und eine Art Gipfeldreieck, das Buch war bestimmt auf dem zweiten Peak. In richtung Osten sah man das Ende der Rockys und endloses Flachland. Wir entschieden uns nicht auf den zweiten Gipfel zu gehen, wir hatten alles was wir wollten.

Nach einem kurzen Nap in der Sonne machten wir uns auf zum Abstieg. Durch die kleinen Steine flogen wir wie durch die Rinne, und fanden auf halber Strecke einen Kadaver eines toten Reh’s. Wir vermuteten es sei abgestürzt angesichts der Brüche, wahrscheinlich im Zuge einer Jagd. Warum es soweit hinauf kam ist uns nicht ersichtlich.

Am Ende der Rinne versuchten wir einen trockenen Canion hinabzusteigen, welches aber aufgrund der großen Klippen nicht möglich war. Wir lösten lauter Steinlawinen aus beim herabgehen. Wieder gab es keinen Pfad mehr, wir wussten wir müssem nur hinab zum Sulphur River, welcher uns durch das Tal leiten wird. Nur ein dichter Wald ermöglichte uns einen sicheren Abstieg auf dem steilen Gefilde. Rufend und singend machten wir uns ständig auf uns aufmerksam, wir waren uns einig dass aufgrund unseres Gesangs jeder Bär und Puma das weite suchen wird. Nach kurzer Zeit im Dschungel erreichten wir den ruhigen Sulphur River, von da an folgten wir nur dem ausgewaschenem Flussbett um zum start zurückzukehren.

Am Horizont stand die Sonne schon tief und tauchte die Bergspitzen in rote Farbe.
Nach 20 km völlig geschafft und sichtlich erleichtert nach dem häufigen „gettin Lost“ da draußen, erreichten wir wieder Erics Auto gegen 9:30pm. Wie immer zum Wandertag, wartete schon das kalte Bier auf uns, ab an die Bar, aber schnell!

Auf dem Weg nach Jasper

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